„Bürsten, nicht mähen“

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8,2 Millionen neue Halme bevölkern den Kunstrasenplatz in Stift Quernheim

Kirchlengern (WB). Das Friedenstal bekommt neue Bewohner. 8,2 Millionen Halme bevölkern bald den Sportplatz in Stift Quernheim. Der Umzug der neuen Sportplatz-Mieter ist noch in vollem Gange. Die Inbetriebnahme des modernen Kunstrasenplatzes ist für den 3. August geplant. Sie wachsen nicht, sie machen keinen Dreck und sind auch bei schlechtem Wetter bespielbar: Kunstrasenhalme gelten als pflegeleicht und sind daher bei Vermietern besonders beliebt. Stimmt nicht so ganz, sagt Rüdiger Meier. Der Bürgermeister der Gemeinde Kirchlengern weist darauf hin, dass »ein Kunstrasen sicherlich genau so intensiv gepflegt werden muss wie ein Naturrasen«. Dafür kann der Platz deutlich stärker frequentiert werden als andere Untergründe. Der Arbeitsaufwand ist ähnlich. Die Gemeinde muss eine Maschine zur Pflege anschaffen. »Bürsten, nicht mähen«, gibt Christoph Heidenescher von der luxemburgischen Herstellerfirma wertvolle Pflegehinweise für die vier Zentimeter langen Halme.

Damit der neue Untergrund für Fußballerbeine möglichst schonend ist, werden dem Platz 180 Tonnen Sand und 48 Tonnen Gummigranulat beigemischt. Bei Kunstrasenplätzen erster Generation waren Schürfwunden oder Verbrennungen noch an der Tagesordnung. »Das Granulat auf älteren Plätzen war aus recycelten Lkw-Reifen. Heute ist es aus hochwertigem Gummi«, klärt Heidenscher auf. Wenn er über den Kunstrasenplatz spricht, nennt er ihn liebevoll Teppich.

Die alten Halme in Stift Quernheim waren nach 10 Jahren und unzähligen strapaziösen Fußballspielen in die Jahre gekommen. Als einer der ersten Plätze im Kreis Herford war das Friedenstal mit einem Kunstrasen ausgestattet worden. Nun geht’s für den Rasen in den Ruhestand. Kurz vom VfL Klosterbauerschaft angedacht war ein Umzug eines kleinen Teiles auf die Aschebahn am Kattenbusch. Doch auf diese Flickschusterei lässt sich die Gemeinde nicht ein, der alte Kunstrasenplatz wird in Rente, respektive auf die Müllheide, geschickt.

Nachdem die alte Oberfläche entfernt worden war, wurde die darunter liegende Elastikschicht gereinigt, überprüft und punktuell überarbeitet. »Am Untergrund musste nicht viel gemacht werden. Deshalb sind die Investitionskosten nicht so hoch wie für einen neuen Platz«, sagt Meier. Die Kosten betragen etwa 250000 Euro. »Der alte Platz war abgenutzt. Es war deshalb an der Zeit, Geld in die Hand zu nehmen.«

Seit Mittwoch werden die auf Bahnen angerichteten Kunstrasenhalme verlegt. Bahn für Bahn werden sie ausgerollt und dann zusammengesetzt. »Der Teppich wird schwimmend verlegt«, erläutert Heidenescher im Fachjargon.

Der Kunstrasen im Friedenstal ist der am stärksten ausgelastete Sportplatz in der Gemeinde. Hauptnutzer sind der BV 21 Stift Quernheim und die JSG Kirchlengern/Stift Quernheim. Fußball-Bezirksligist BV 21 wird den Platz voraussichtlich ab dem 3. August wieder zur Vorbereitung auf die neue Saison nutzen können. Zur offiziellen Eröffnung am Samstag, 19. August, gibt es einen echten Kracher: Die »Stifte« empfangen den FC RW Kirchlengern um 16.30 Uhr zum Ligaauftakt. Ein besseres Eröffnungsspiel hätte sich Spielplangestalter Kai Rieke nicht ausdenken können. Die Halme wird’s freuen. Sie können sich nun für die kommenden zehn bis 15 Jahre häuslich im Friedenstal einrichten. Die Bevölkerungsanteile unter den 8,2 Millionen Bewohnern sind übrigens klar verteilt. Die Weißen sind mit unter fünf Prozent klar in der Minderheit. Im Friedenstal dominiert ein sattes Grün.

(Quelle: BZ vom 28.07.12)

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